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gelassen . stark . beweglich

Was ist Kenjutsu?

Kenjutsu (japanisch , Schwertkunst) ist die traditionelle japanische Kampftechnik mit dem Katana, dem langen, einseitig geschliffenen und leicht gebogenen Schwert. 

Die Wurzeln des Kenjutsu liegen in den Kriegen der frühen Samurai, ab etwa dem 8. Jahrhundert. Die ersten Schwerter waren gerade, danach entwickelte sich schliesslich das gebogene Katana. Ab dem frühen 12. Jahrhundert entstanden die ersten traditionelle Schulen (Ryuha, ). Während der langen Zeit der Bürgerkriege (Sengoku-Zeit, 1467 – 1600) entwickelten sich zahlreiche Stile und Schulen. Die andauernden Kriege beförderten die Entwicklung von wirksamen und auf dem Schlachtfeld nützlichen Techniken. Viele der heute existierenden Kenjutsu-Linien stammen direkt aus dieser Epoche. 

Während des langen Friedens in der Edo-Zeit (1603 – 1868) änderte sich die Rolle des Schwertes als auch der Inhalt des Trainings. Statt auf dem Schlachtfeld wurde das Schwert eher in persönlichen Duellen oder Fehden eingesetzt. Vermehrt flossen spirituelle und philosophische Aspekte in das Training ein. Der auch hierzulande bekannte Samurai Miyamoto Musashi lebte zu Beginn dieser Periode.

Mit Beginn der Meiji-Restauration wurde die Samurai-Klasse abgeschafft und das Schwerttragen verboten. Viele der traditionellen Schwertschulen verschwanden. Einige Schulen überlebten, weil in einzelnen Familien die Techniken und Traditionen geheim weitergegeben wurden.

Heute werden verschiedene Kenjutsu-Stile in Dojos auf der ganzen Welt gelehrt. Die traditionelle Kunst wird mit modernen Trainingsmethoden verbunden. Neben Technik werden auch Werte wie Respekt, Disziplin und Achtsamkeit vermittelt. Darüber hinaus ist Kenjutsu-Training ein effektives Fitness-Programm für Körper und Geist, welches Beweglichkeit, Gleichgewichtssinn, Koordinationsfähigkeit, Schnelligkeit, Konzentrationsfähigkeit sowie Entschlossenheit verbessert. 

Was macht Kenjutsu wertvoll?

Kenjutsu eine historische Kampfkunst — und genau darin liegt sein besonderer Wert. Weil es nicht sportlich optimiert wurde, sondern eine vollständige Schulung von Wahrnehmung, Verhalten und innerer Haltung geblieben ist, entwickelt es Fähigkeiten, die im modernen Alltag oft fehlen.

Für Kinder und Jugendliche zeigt sich vor allem folgender Nutzen:

  • Aufmerksamkeit statt blosse Konzentration.
    Die Kinder lernen, den eigenen Körper bewusst wahrzunehmen.
    Sie verstehen Distanzen und Raumgefühl.
    Sie können Entscheidung und Bewegung verbinden.
    Aufmerksamkeit entsteht durch die Erfahrung im Training.
  • Im Dojo gibt es eine klare Etikette. Dazu gehören Begrüssungsrituale, respektvoller Umgang mit den Trainingspartnern sowie das Aufräumen nach dem Training.
    Die Regeln dienen als Sicherheitsrahmen, nicht als Zwang.
  • Emotionale Selbstregulation
    Mit einem Holzschwert zu üben erzeugt eine natürliche Spannung. Es gibt Aufregung, man will keine Fehler machen, Tendenz zu hektischem Verhalten.
    Kenjutsu lehrt ruhig zu bleiben, bevor man handelt. Das Verhalten wird weniger impulsiv und die Frustrationstoleranz erhöht. Die Kinder entwickeln eine nicht-aggressive Stärke.
  • Selbstvertrauen
    Wenn ein Kind neue Techniken beherrscht und Fortschritte sichtbar werden – etwa beim korrekten Ausführen einer Kata - steigt das Selbstwertgefühl nachhaltig. Dieses positive Gefühl wirkt sich auf viele Lebensbereiche aus.
  • Soziale Bindungen
    Das Training findet in kleinen Gruppen statt Partner-Übungen und das gemeinsame Üben von Formen schaffen ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Die Kinder lernen, einander zu vertrauen, konstruktives Feedback zu geben und gemeinsam Ziele zu erreichen.
  • Körperliche Fitness
    Durch vorbereitende Gymnastik, präzise Bewegungen, kontrollierte Angriffe und Verteidigung werden Muskulatur, Koordination und Ausdauer gestärkt. Das Training ist abwechslungsreich und vielseitig, so dass Jugendliche sich gerne bewegen und ihre körperlichen Fähigkeiten verbessern.

Für Erwachsene zeigt sich vor allem folgender Nutzen:

  • Wiederentdeckung von Ganzkörperbewegung
    Der moderne Alltag trennt Kopf und Körper, wir sitzen, wir arbeiten am Bildschirm, unsere Aufmerksamkeit ist fragmentiert
    Kenjutsu fordert Bewegung aus dem Körperzentrum, klare Ausrichtung von Körper und Energie, ökonomische Kraft
  • Schulung von Entscheidungskraft
    Die Handlung erfolgt im gleichen Moment wie die Entscheidung
    Das trainiert Entschlossenheit ohne Aggression und Handeln trotz Unsicherheit
  • Meditation in Bewegung
    Es entsteht ein ruhiger Geist bei hoher Wachheit
    Man spürt eigene Spannungen und wie sie unsere Handlungen beschränken
  • Körperliche Fitness
    Durch vorbereitende Gymnastik, präzise Bewegungen, kontrollierte Angriffe und Verteidigung werden Muskulatur, Koordination und Ausdauer gestärkt. Das Training ist abwechslungsreich und vielseitig, so dass sich Herausforderung und Freude die Waage halten.

Wie wird Kenjutsu geübt?

Vor dem Training wird gegrüsst, wie es in japanischen Dojos üblich ist. Durch dieses Ritual wird der normale Alltag zurückgelassen und wir lassen uns bewusst auf das kommende Training ein.

Als Vorbereitung auf das eigentliche Training dienen Atemübungen sowie verschiedene Übungen zur Förderung von Beweglichkeit, Koordination, Durchblutung und Kraft.

Im Kenjutsu-Training benutzen wir ein Bokken (Holzschwert). Damit lernen und üben wir in drei Kategorien:

  • Basis (Suburi): Einzelne Grundschläge und -bewegungen werden einstudiert.
  • Formen (Kata): Mehrere einzelne Grundschläge werden miteinander zu einem (längeren) Bewegungsablauf verbunden. Das wiederholte Üben der Kata schult Präzision, Gedächtnis und die Wahrnehmungsfähigkeit 
  • Kumitachi (Partnerübungen): Partnerformen, bei denen Angriff und Verteidigung klar definiert sind, aber durch Timing und Distanz lebendig werden. Die Trainierenden lernen, die Aktionen des Gegenübers zu lesen.

Zum Abschluss des Trainings machen wir eine Reflexionsrunde, dann wird das Dojo gereinigt und gegrüsst. Dieses strukturierte Vorgehen sorgt dafür, dass jeder und jede Einzelne/r in  seinem/ihrem eigenen Tempo lernt, gleichzeitig aber Teil einer unterstützenden Gemeinschaft bleibt.